Gutes altes Vinyl in Bits packen

Category: Allgemein
02.05.2012
Author: Robert Fink
Aufrufe: 1560

So wie schon angekündigt kommt hier der Grund warum es in letzter Zeit hier ziemlich ruhig war. Ich habe mich aufgemacht meine ganzen alten Schallplatten zu digitalisieren. In meiner jugendlichen Sturm- und Drangzeit hab ich mich ja als Party DJ für Rap , Hip-Hop und Blackmusic  verdingt und ich hab aus der Zeit eben noch meine Schallplatten und meine guten alten 1210er Turntables rum stehen. Ich hatte damals aufgehört weil dann der komplette Wechsel zu CDs vollzogen wurde und ich kein Geld hatte mir komplett neue Geräte anzuschaffen. Außerdem passten mir die Bedienkonzepte der verfügbaren Geräte nicht wirklich.

Inzwischen ist die Technik wesentlich weiter und der PC hat auch Einzug in den DJ Bereich gehalten. Da ich durch einen überraschenden Geldsegen etwas finanziell Luft hatte hab ich mir dann eine DJ Software und einen neuen Mixer besorgt. Mein alter Numark Mixer hat wirklich ausgedient und viele Fader gaben nur noch heftiges knistern von sich. DJ Software gibt es von mehreren Herstellern in verschiedenen Ausbaustufen. Mir war wichtig, dass ich so mixen kann wie ich es von früher gewohnt bin und am liebsten mit meinen Plattenspielern. Und so was gibt es.

Meine Wahl fiel auf Traktor Scratch Duo das inzwischen in Traktor Scratch A6 umbenannt wurde von der Deutschen Firma Native Instruments. Das Kit besteht zum einen aus der Software, zum anderen aus einem USB Audio Interface und jeweils 2 Timecode CDs und LPs. Der Gag dabei mit den Timecode Schallplatten kann man die Musikausgabe so steuern, so dass es sich anfühlt als würde man ganz normal seine Platten benutzen. Zusätzlich hat man noch viele Gimmicks. Als neuen Mixer hab ich mir einen Behringer DJX900USB auserkoren.

So jetzt stand ich natürlich vor dem Problem, dass ich meine Platten ja noch nicht in digitaler vorliegen habe. Also habe ich damit beschäftigt, wie ich meine Schallplatten in digitale Form bringe. Dabei war mir schon von vornherein klar, dass man nicht alles in die digitale Audioqualität überführen kann, die man heute so gewohnt ist. Dazu muss ich sagen, das ich viel gescratched habe und man als DJ im Party Leben nicht zwingend sehr pfleglich mit den Vinyl Scheiben umgeht. Knistern und Knackser wird man nicht komplett vermeiden können aber wenn ich die Schallplatten  verwenden würde, dann wäre die Soundqualität eben auch nicht besser. Zumindest kann man per Software die übelsten Sachen raus bringen. Und hier möchte ich jetzt beschreiben wie ich dabei  vorgehe. Inzwischen benutze ich privat Macs und deshalb beschreibe ich hier nur die Vorgehensweise für eben Mac mit OS X.  

Die Software tools, die ich benutze sind:

Die wesentlich Teile des digitalisierend sind Aufnahme, Bearbeiten (Geräusche entfernen, schneiden und codieren) und Taggen.

Die Aufnahme

Hierfür nutze ich Amadeus Pro. Zum Hardware Setup ist folgendes zu sagen. Ich nehme über meinen Mixer auf weil der auch eine USB Schnittstelle bietet und ich somit direkt in den Rechner aufnehmen kann. Amadeus Pro stelle ich so ein, dass direkt auf die HD aufgenommen wird und nicht nur in den Arbeitsspeicher. Als Dateiformat habe ich WAV ausgewählt damit ich das nachher auch weiter verarbeiten kann. Das porträtiere Format von Amadeus Pro kann ich in den anderen Tools nicht verwenden. An sonsten bleibe ich bei den Standardeinstellungen. Ich achte dann nur noch lediglich darauf, dass die Aufnahme nicht übersteuert. Dazu wähle ich einige Stellen auf der Schallplatte aus und checke, dass die Aussteuerung schön im Grünen bleibt. Das kann ich ja sehr schön über den Mixer regeln.

Ich nehme eine komplette Seite in eine WAV Datei auf und bei Singles sogar beide Seiten. Die einzelnen Songs schneide ich später wieder aus. Das ist bei der Aufnahme weniger aufwendig.

Die Bearbeitung

Nachdem jetzt das Audiomaterial in Datnform vorliegt kann man mit der Bearbeitung beginnen. Ich habe länger rum probiert, wie man da am besten und effektivsten vorgeht.

Die einzelnen Bestandteile sind Störgeräusche entfernen, Normalisieren und dann in einzelne Songs schneiden.

Anfänglich hab ich da nur mit Amadeus Pro gearbeitet aber das ist sehr aufwendig und die Ergebnisse zum Teil sehr unbefriedigend weil die Tools, die im Amadeus Pro zur Verfügung stehen nicht speziell auf diesen Anwendungsfall ausgelegt sind sondern eben dazu da einzelne kleine Geräusche zu entfernen. Ich habe nach Audio Pulgins gesucht, die hier mehr Optionen bieten. Es gibt einige Plugins aber diese sind auch relativ teuer. Dabei bin ich auch auf ein Plugin von iZotope gestoßen. Beinahe hätte ich die 350 Euro investiert bis ich auf der Webseite von iZotope auf den Music and Speech Cleaner gestoßen bin. Dieser ist wesentlich günstiger, bietet zwar nicht so viele Optionen wie das Plugin aber für meine Zwecke ist es völlig ausreichend.

Der Music & Speech Cleaner bietet einige Filter, die sich über einige Schieberegler einstellen lassen. Es gibt Filter für Noise, das sind ständige gleichmäßige Hintergrundgeräusche sie Laufgeräusche oder dergleichen. Einen hum Filter um Netzbrummen zu entfernen. Einen Pop Filter der vor allem Knacksen auf Schallplatten entfernen kann. Außerdem gibt es zwei Enhancer um entweder Sprache oder Music ein bisschen aufzuhübschen und lebendiger zu machen. Diese Enhancer sind aber nur sehr sparsam zu verwenden da sonst die Veränderungen zu massiv werden. Außerdem kann man mit dem Music & Speech Cleaner  das Audiomaterial Normalisieren und auch schneiden. Wobei ich diese beiden Schritte dann wieder im Amadeus Pro durchgeführt habe. Mit dem Music & Speech Cleaner kann man auch aufnehmen.

Die Arbeitsschritte mit diesem Tool sind bei mir sehr einfach. Die WAV Datei laden, Filter auswählen und einstellen und dann die speichern. Das kann je nach Länge bis zu einigen Minuten dauern. Der Music & Speech Cleaner speichert dabei die Datei mit dem ursprünglichen Dateinamen und hängt ein -cleaned an, so dass man sofort sieht welches die bearbeitete Datei ist. Die Ursprungsdatei bleibt dabei unverändert. 

Nachdem ich die Dateien mit dem Music & Speech Cleaner bearbeitet habe lade ich sie wieder in Amadeus pro. Hier suche ich dann rein optisch noch nach Störgeräuschen. Diese machen sich meistens durch hohe Peaks oft nur auf einem Kanal bemerkbar. Mit der Zeit bekommt man einen Blick dafür, was nach einem Störgeräusch aussieht. Als nächstes geht es daran die einzelnen Songs auszuschneiden. Anhand der Wellenform sieht man ziemlich genau wo ein Song anfängt und wo er aufhört. Mit Anadeus Pro kann man hier sehr präzise arbeiten und nur genau den Song schneiden und gleichzeitig in eine neue Datei einfügen. Danach wird der Song Normalisiert. Das bereutet, dass man das Audiomaterial auf maximal Lautstärke bringt. Dabei werden die lautesten Stellen eines Songs auf 0 dB gebracht und die leiseren Stellen eben relativ dazu angehoben. Jetzt muss man nur noch auf speichern drücken und das gewünschte Fileformat und die gewünschte Bitrate einstellen und schon befindet sich ein jungfräuliches mp3 oder aac auf der Festplatte.

Das Tagging

Eine mp3 oder AAC Datei ohne Metadaten geht ja heute gar nicht mehr. Die meisten Library Systeme wie iTunes oder Winamp oder dergleichen nutzen ja die Tags um ihre ganzen Sortier und Auswahl Features durchzuführen. Auch sind heute ja die Albumcover innerhalb der Audidatei durchaus üblich.

Ich hab länger gesucht um diesen Arbeitsschritt nicht in zu viel Arbeit ausarten zu lassen. Dabei bin ich nun bei zwei kleinen Tools gelandet. Zum einen Tritag, dass mir die wichtigsten Tags anhand des Filenamens befüllt. Ich speichere die mp3 Dateien im Format Tracknummer_Artist_Album_Songtitel.mp3. Im Tritag kann ich über Variablen angeben an welcher Stelle welcher Tag ist. Als Trennzeichen verwende ich eben den Unterstrich, weil der in Namen und Songtextiteln nicht vor kommt. Einmal eingestellt brauch ich nur die entsprechenden Dateien in das Tritag Fenster ziehen, falls bekannt noch die Jahreszahl der Aufnahme eingeben und ein Genre auswählen. Um sicher zu gehen, das auch alles an die richtige Stelle kommt, kann man sich ein Preview anzeigen lassen.

Nachdem die wichtigsten Tag damit befühlt sind fehlt nur noch das Albumcover. Dazu verwende ich Tagr. Auch das ist sehr einfach zu bedienen. Wieder die Songs einfach in das Fenster des Tools ziehen. Alle selektieren und das Coverbild in das entsprechende Feld ziehen. Speichern und schon ist es fertig. Die Coverbilder zu bekommen ist dank des Internets kein Problem. Selbst exotische Sachen kann man finden. Eine erste gute Quelle für die Coverbilder ist die englische Wikipedia. Da gibt es sehr viele Cover im jeweiligen Beitrag zum Künstler oder dem Album selbst. Dabei muss man sich aber auch Gedanken über die Rechte an den Coverbilder machen. Aber ich gehe davon aus das es hier nicht zu  bemängeln gibt, da ich die Dateien ja nur für mich verwende und die Dateien auch nicht öffentlich zugänglich sind.

Inzwischen habe ich auf diese Art und Weise ca. 5000 Titel bearbeitet und bin mit dem Ergebnis zufrieden. Bei einigen Dateien muss man noch etwas intensiven nacharbeiten, weil da zu viele Störungen drin sind und der Cleaner nicht alles weg bekommt. Aber in den meisten Fällen geht das eigentlich ziemlich fix, wenn man die Arbeitsschritte erst mal drauf hat. 

Ich kippe die Dateien dann am Schluss ins iTunes. Vor allem weil ich mit 2 Rechnern arbeite uns so einfach syncen kann. Außerdem nutze ich iTunes Match und dadurch bekomme ich, wenn Match die Dateien kennt die aac Version aus dem iTunes Store zum Download angeboten. Nur Sachen, die Match nicht erkennen kann oder die Versionen abweichen werden die erstellten Dateien  hochgeladen. Wobei bei meinen Platten die Trefferzahl eher niedrig ist.

Als Fazit kann ich nur sagen, wenn man die Zeit und Muse hat, kann man seine Schallplatten mit akzeptablen Aufwand in Datenform bringen. Jetzt kann ich mit meinen ganzen alten Songs wieder mixen so wie ich es gewohnt bin \o/

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